Von Ugur Diktas, Co-Präsident JUSO Aargau
Seit dem 1. August 2026 ist die Sprachstandserhebung obligatorisch, doch Gemeinden müssen Kindern mit Förderbedarf kein entsprechendes Angebot bereitstellen. Freiwillig bleibt ausgerechnet die Förderung, die der Erhebung ihren Sinn gibt. Das verschärft Ungleichheiten: 55,7 Prozent der Kinder mit Deutsch als Zweitsprache besuchen keine Betreuungseinrichtung oder Spielgruppe, obwohl frühe Bildung den Deutscherwerb nachweislich unterstützt. Die Teilnahme soll freiwillig bleiben. Deshalb fordern wir: Jede Gemeinde muss künftig ein erreichbares und bezahlbares Angebot zur Deutschförderung bereitstellen, freiwillig bleibt nur der Besuch.
Bircher muss endlich handeln!
Regierungsrätin Martina Bircher nennt die Ergebnisse alarmierend und warnt, frühe Rückstände seien kaum aufzuholen. Nimmt sie das ernst, darf sie die Verantwortung nicht Gemeinden und Eltern überlassen. Sie erarbeitet derzeit das Kinder- und Jugendhilfegesetz. Dort gehören Angebotspflicht, bedarfsgerechte Finanzierung und genügend Fachpersonal hinein. Zugleich setzt sie auf Förderklassen ab dem Kindergarten. Wer früh spart und später separiert, setzt falsche Prioritäten. Chancengleichheit braucht rechtzeitige Förderung und eine Schule, die Kinder gemeinsam unterrichtet.
Mehrsprachigkeit statt Symbolpolitik
SVP und FDP fordern bessere Deutschkenntnisse, strichen im Grossen Rat aber gegen den Willen des Regierungsrats die Regelung zu Kursen in heimatlicher Sprache und Kultur. Damit schwächen sie die Erstsprachenförderung, obwohl eine starke Erstsprache das Lernen weiterer Sprachen unterstützt. Wer Integration ernst nimmt, muss Deutsch und Mehrsprachigkeit gemeinsam fördern, statt sie gegeneinander auszuspielen.
In Solothurn müssen die Gemeinden seit August 2026 ein bedarfsgerechtes Angebot bereitstellen, beschlossen wurde das 2024. Der Aargau muss nachziehen: Es braucht ein Recht auf frühe Sprachförderung, kostendeckende Kantonsbeiträge und kostenlosen Zugang für Familien mit tiefen Einkommen. Kein Kind darf schlechter starten, weil seine Gemeinde spart oder zu Hause das Geld fehlt.
Bild: JUSO Aargau