Von Alain Burger, Grossrat SP Aargau
Mit dem Kulturkonzept 2023–2028 verfolgt der Kanton Aargau eine klare Strategie: Kultur soll gefördert, gepflegt und vermittelt werden, um kulturelle Vielfalt, Qualität und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken. Doch zwischen Anspruch und Realität klafft eine Lücke. Bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur gehört der Aargau weiterhin zu den Schlusslichtern der Kantone. Die Förderbeiträge wurden seit Jahren nicht angepasst – trotz Teuerung, höherer Anforderungen und neuer Richtlinien für faire Entlöhnung.
Mehr politische Einflussnahme, weniger Geld
Dennoch hat eine knappe Mehrheit des Grossen Rats eine Erhöhung von 100’000 Franken für das Aargauer Kuratorium abgelehnt, obwohl der Kanton schuldenfrei ist und über hohe Reserven verfügt. Aus rechtsbürgerlichen Kreisen wird gefordert, Kultur müsse sich stärker selbst finanzieren oder bestimmten Wertvorstellungen folgen. Das widerspricht dem Kulturgesetz und der Idee einer unabhängigen Kulturförderung.
Ellbogenkampf um Swisslos-Gelder
Nun droht der nächste Angriff auf den Kulturkanton: Eine Motion im Grossen Rat verlangt eine Umverteilung der Swisslos-Gelder zugunsten des Sports. Für die Kultur würde das einen jährlichen Verlust von über drei Millionen Franken bedeuten. Dabei könnten zusätzliche Mittel für den Sport auch über das ordentliche Budget finanziert werden. Kultur und Sport gegeneinander auszuspielen, ist der falsche Weg. Beide stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt und verdienen eine verlässliche Förderung.
Ein Kulturkanton braucht mehr als Worte
Auf Ende 2027 hat der Regierungsrat den Kulturlastenvertrag mit Zürich und Luzern gekündigt. Begründet wird dies mit der positiven Entwicklung der Kultur im Aargau.
Das mag stimmen. Doch wer stolz auf seine Kulturangebote ist, muss sie auch langfristig sichern. Die SP kämpft dafür, dass die Kulturpolitik nicht dem Rotstift geopfert wird. Kultur braucht Anerkennung, faire Bedingungen und eine verlässliche Finanzierung. Denn Kultur ist kein Luxus für wenige, sondern ein öffentliches Gut für alle. Wer bei der Kultur spart, spart am Klebstoff unserer Gesellschaft.
Bild: Esther Schmidt