Postulat von Lelia Hunziker, SP, Aarau, betreffend Frauenquote in Strategie- und Aufsichtsgremien staatsnaher Betriebe

Text:

Der Regierungsrat wird beauftragt, sicherzustellen, dass in allen Strategie- und Aufsichtsgremien (Verwaltungs-, Stiftungs-, Beiräte und übrige vergleichbare Gremien), staatsnaher Betriebe die in seiner Wahlbefugnis liegen, Frauen und Männer zu mindestens je 40 Prozent vertreten sind.

Begründung:

Frauen sind in wichtigen Entscheidungsgremien immer noch stark untervertreten. Ein Grund dafür ist nicht ein Mangel an qualifizierten Kandidatinnen, sondern vielmehr die fehlende Bereitschaft, sie zu wählen. Ein wichtiger Grund ist schlicht und einfach, dass Männer Männer wählen. Auch im Aargau sind viele Verwaltungsräte staatsnaher Betriebe reine Männerclubs. 48 Jahre nach Annahme des Frauenstimmrechts und 38 Jahre nach Einführung des Lohngleichheitsartikels sind deshalb dringend weitere Schritte nötig.

2013 hat der Bundesrat beschlossen, die Zielquote von 30 Prozent Frauen in den Verwaltungsräte von 24 bundesnahen Betrieben einzuführen. Die Richtlinien sind am 1. Januar 2014 in Kraft getreten und sollen bis 2020 umgesetzt werden. 2018 hat sich der Nationalrats für eine Quote in Verwaltungsräten ausgesprochen. Im Verwaltungsrat börsenkotierter Gesellschaften mit mehr als 250 Mitarbeitenden sollen mindestens 30 Prozent Frauen sitzen, in der Geschäftsleitung mindestens 20 Prozent.

Die oft propagierte Freiwilligkeit einer ausgewogenen Geschlechtervertretung funktioniert nicht. Auch der gescheiterte Lohngleichheitsdialog, ein Projekt der Sozialpartner und Bund und die nicht umgesetzten Empfehlungen von Economiesuisse (Verwaltungsräte sollen diverser sein) deutlich, dass Freiwilligkeit in die Sackgasse führt. Deshalb braucht es nun endlich wirksame Massnahmen.

Es gibt gute Beispiele dieser Praxis, die zeigen: es ist möglich, aber es braucht Quoten. Basel-Stadt hat seit 2014 eine solche Quote, heute – fünf Jahres später – ist das Anliegen umgesetzt, der Frauenanteil beträgt 42.3%.

Eine ausgewogene Zusammensetzung nach Geschlechtern hat nachweislich einen positiven Einfluss auf die Beurteilung von möglichen Unternehmensrisiken und somit direkte Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg und eine konstruktive Betriebsführung. Denn geschlechtergemischte Gruppen analysieren und handeln in der Regel sorgfältiger und genauer als einseitig zusammengesetzte Gruppen.

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