Interpellation Lelia Hunziker, SP, Aarau, (Sprecherin) und Lea Schmidmeister, SP, Wettingen, vom 12. Mai 2020 betreffend Unterstützung Betroffener von akuter Armut aufgrund der Mass-nahmen von COVID-19

Text und Begründung:
Waren Sie auch erstaunt? Oder gar schockiert? In Genf standen 2’500 Personen mehrere Stunden an. Nicht für das neuste Handy und auch nicht für ein Konzertticket der hippsten Band. Nein. Für eine Tüte mit Speiseöl, Teigwaren, Reis, ein paar Äpfel im Wert von 20 Franken. Darunter sind viele Personen, die ohne Aufenthaltstitel in der Schweiz leben und arbeiten. Sans-Papiers. Oder Personen, die im Niedriglohnbereich arbeiten. Working Poors. Sie kochen im Restaurant an der Ecke, wa-schen die Wäsche im Hotel, pflücken vielleicht die saftigen Erdbeeren für unseren Smoothie, sie put-zen eine Wohnung im Quartier, betreuen die Kinder der Nachbarn, verkaufen dem Arbeitskollegen sexuelle Dienstleistungen oder arbeiten auf der Baustelle im Dorf. Sie sind unter und neben uns. Arbeiten viel, still und verlässlich. Fallen nicht auf. Bestimmt profitieren wir alle hin und wieder von ihren Diensten und merken es gar nicht. Mit dem Lockdown haben sie ihre Jobs und damit ihre Einkünfte verloren, manchmal sogar ihre Unterkunft. Sie fallen durch alle Netzwerke. Die Sozialhilfe und auch die Nothilfe greifen nicht, oder sie haben Angst, sich zu melden. Angst, wegen der Konsequenzen. Und nun hungern sie. Vielleicht hungern auch ihre Kinder hier in der Schweiz. Bestimmt leiden auch die Familienangehörigen, die sie sehr oft unterstützen in ihren Heimatländern.
In Genf, Zürich und in vielen anderen Städten laufen Aktionen von Freiwilligen und NGO. Kantone haben Gelder gesprochen für Nothilfe. Viele Menschen spenden – die Schweiz ist solidarisch. Ess-waren und Geld für Nahrung, Medikamente und Hygieneartikel werden verteilt, Mieten und Krankenkassen bezahlt. Niemand sollte alleine und zurückgelassen werden.
Im Aargau ist es auffallend still. Deshalb stellen wir dem Regierungsrat folgende Fragen:

  1. Gibt es Schätzungen, wie viele Personen im Aargau unter akuter Armut (Hunger, Obdachlosigkeit) leiden aufgrund von COVID-19?
  2. Hat der Regierungsrat Kenntnis von Aktionen für Armutsbetroffene aufgrund von COVID-19 im Aargau?
  3. Unterstützt der Kanton Aargau Lebensmittelabgaben für Armutsbetroffene?
  4. Geht der Regierungsrat davon aus, dass akut Armutsbetroffene aus dem Kanton Aargau in umlie-gende Regionen gehen, um Angebote dort zu nutzen?

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