Postulat Simona Brizzi, SP, Ennetbaden (Sprecherin), Alain Burger, SP, Wettingen, (…), vom 16. Juni 2020 betreffend Massnahmenpaket zur Sicherung von Lehrstellen und zur nach-haltigen Minderung von Jugendarbeitslosigkeit im Kanton Aargau und Teilnahme am Förder-schwerpunkt „Lehrstellen Covid-19“ des Bundes

Text:
Der Regierungsrat wird eingeladen, ein koordiniertes Massnahmenpaket zur Sicherung und zum Ausbau von Lehrstellen und zur nachhaltigen Minderung von Lehrstellenknappheit und Jugendarbeitslosigkeit ergänzend zu den Bestrebungen der Organisationen der Arbeitswelt (OdA) zu imple-mentieren und nach Möglichkeit auf den Förderschwerpunkt „Lehrstellen Covid-19“ abzustimmen, so dass der Bildungskanton Aargau gestärkt aus der Krise hervorgehen und von der aktuellen Bundesförderung profitieren kann.

Begründung:
Aktuell bündeln Bund, Kantone und die OdA ihre Kräfte, um Jugendliche bei der Suche nach einer Lehrstelle und Betriebe bei der Besetzung der freien Ausbildungsplätze gezielt zu unterstützen. Bun-desrat Guy Parmelin hat dafür eine Task Force „Perspektive Berufslehre 2020“ eingesetzt.
Die Task Force „Perspektive Berufslehre 2020“ nimmt regelmässig eine Einschätzung zu den Aus-wirkungen von Covid-19 auf den Lehrstellenmarkt vor. Erste Tendenzmeldungen seitens der Kantone zeigen regional unterschiedliche Auswirkungen auf die Anzahl abgeschlossener Lehrverträge. Im Aargau wurden bis April 2020 – ähnlich wie im Vorjahr – etwa gleich viele Lehrstellen vergeben.
Einerseits steigt in den nächsten Jahren die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger, andererseits muss mit einem Covid-19-bedingten Rückgang der angebotenen Lehrstellen gerechnet werden. Bund, Kantone und OdA sind gefordert, damit sich die wirtschaftliche Situation durch Covid-19 nicht nachteilig auf die Berufsbildung auswirkt.
Aufgrund früherer Erfahrungen mit angespannten Lehrstellensituationen verfügen heute viele Kantone über ein Set an Massnahmen zur Unterstützung der Jugendlichen und Betriebe. Auch im Kanton Aargau haben Jugendliche bei der Berufswahl Zugriff auf verschiedene Angebote wie LENA, Junior Mentoring, Lehrstelle JETZT bis hin zu Angeboten wie individuelles Coaching und Mentoring. Diese Angebote müssen weiterentwickelt und die aus früheren Krisen bewährten Instrumente / Angebote allenfalls optimiert und ergänzt werden.
Parallel dazu sind die OdA daran, aus Verbandssicht die Lehrstellensituation zu analysieren und aktiv zu werden. Hier wirken die Kantone ergänzend mit. Die Instrumente der OdA und der Kantone
müssen nun reaktiviert und weiterentwickelt werden. Mit dem Berufsbildungsgesetz sind entsprechende Rechtsgrundlagen vorhanden.
Im Mai 2020 hat der Bund die Einrichtung eines Förderschwerpunkts „Lehrstellen Covid-19“ gutgeheissen. Der Bund kann so im Rahmen bestehender Kredite Projekte in den Bereichen Coaching / Mentoring von Jugendlichen auf Lehrstellensuche, beim Erhalt und der Schaffung von Lehrstellen, bei der Lehrstellenbesetzung, bei der Erarbeitung neuer Ausbildungsmodelle oder zur Vermeidung von Lehrvertragsauflösungen prioritär unterstützen. Der Bund finanziert diese Vorhaben ausnahms-weise mit bis zu 80 Prozent der Kosten (Regelfall: 60 Prozent), wenn die Vorhaben bis Ende 2020 eingegeben werden und höchstens bis Ende 2021 dauern. Die Beitragsgesuche im Bereich Lehrstel-len werden durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) prioritär behan-delt. Von den Fördergeldern können die nationalen OdA und die Kantone profitieren.
Der Kanton Aargau soll in Zusammenarbeit mit den kantonalen OdA allfällige Lücken erkennen und schliessen und zu den Bestrebungen der nationalen OdA ergänzende Massnahmen entwickeln. Der Regierungsrat wird aufgefordert, den Handlungsbedarf für den Kanton Aargau darzulegen und geeignete Massnahmen vorzuschlagen. Diese sollen nach Möglichkeit auf den Förderschwerpunkt „Lehrstellen Covid-19“ abgestimmt werden, so dass der Aargau auch von der Bundesförderung von bis zu 80 Prozent profitieren kann.
Der Aargau als Bildungs- und Wirtschaftskanton mit seiner ausgeprägten KMU-Struktur soll gestärkt werden. Dafür sind gute Berufsleute und Fachkräfte wichtig.

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