Motion Colette Basler, SP, Zeihen (Sprecherin), (…), vom 8. Dezember 2020 betreffend Einführung flächendeckende Schulsozialarbeit (SSA) im Kanton Aargau

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Der Regierungsrat wird gebeten, die rechtlichen Grundlagen für eine flächendeckende Einführung der Schulsozialarbeit im Kanton Aargau zu erarbeiten und deren Finanzierung festzulegen.

Begründung:

Ein grosser Teil der Gemeinden im Kanton Aargau erkennt den Wert und profitiert vom Nutzen und vom professionellen Wissen der Schulsozialarbeit (SSA) und hat diese eingeführt.

Im Schulportal des Kantons Aargau ist zu lesen: „Die Schulsozialarbeit unterstützt und berät Kinder und Jugendliche bei der Gestaltung ihres Schulalltags und Lebens. Unter Einbezug des sozialen Umfeldes hilft die Schulsozialarbeit bei der Entwicklung von Lösungen bei psychosozialen Problemstellungen. Dabei arbeitet sie mit Lehrpersonen, weiteren Fachpersonen und spezialisierten Stellen der Kinder- und Jugendhilfe sowie mit der Schule zusammen“.

Der Regierungsrat äussert sich auf der Homepage des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) zum Thema wie folgt: Das Angebot der Schulsozialarbeit richtet sich an Schülerinnen und Schüler aller Schulstufen, an Eltern, Lehrpersonen und die Schule als Ganzes. Die Schulsozialarbeit begleitet Kinder und Jugendliche im Prozess des Erwachsenwerdens. Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter bieten direkt im Schulhaus Beratungen, präventive Angebote und Kriseninterven- tionen an und stehen Eltern bei erzieherischen Fragen bei.

Kinder, die Kameraden mobben, rebellierende Jugendliche, Gewalt auf dem Pausenplatz, Lehrpersonen, die an ihre Grenzen stossen, überforderte Eltern – die gesellschaftliche Entwicklung hat das Zusammenleben von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in den letzten Jahren stark verändert. Es ist komplexer und spannungsreicher geworden. An wen können sich die Schülerinnen und Schü- ler, Lehrpersonen, Schulleitung und Eltern bei den vielfältigen Problemen wenden? Die Beratungsstellen im Kanton Aargau sind ausgelastet, überlastet oder unterbesetzt, so die Aussage des Regierungsrats in der Beantwortung des Postulats vom 21.Oktober 2020 betreffend Ursachenklärung zum Anstieg von Neuaufträgen und Langzeitfällen beim Schulpsychologischen Dienst (SPD). Der SPD übernimmt oft zusätzliche Präventiv- und Beratungsaufgaben, die in Gemeinden mit einer SSA durch diese übernommen werden können. Eltern können Beratung und Unterstützung bei Erziehungsfra- gen sowie bei sozialen und persönlichen Problemen ihres Kindes auf eine niederschwellige Art bei der SSA in Anspruch nehmen. Schülerinnen und Schüler erhalten vor Ort rasch und unbürokratisch.

Hilfe und Beratung bei persönlichen und sozialen Problemen, Die Vernetzung mit Personen und Fachstellen innerhalb und ausserhalb der Schule wird unterstützt. Dadurch kann der SPD entlastet werden und sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren.

Die Schulsozialarbeit im Kanton Aargau ist heute auf kantonaler Ebene in 63 (Stand 2015) Schulen vertreten. Es gibt immer noch Schulen im Kanton Aargau, welche keine SSA haben. Dies widerspricht der Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche, aber auch deren Lehrpersonen und Schulleitungen, welche nicht die Möglichkeit haben, von diesem Angebot zu profitieren. Erwiesener- massen gibt es im Kanton Aargau zu wenig Sonderschulplätze und zu wenig Möglichkeiten Verhal- tensauffällige Kinder und Jugendliche adäquat zu betreuen und präventiv zu wirken. Diesbezüglich leistet die SSA unerlässliche Dienste und niederschwellige Beratung, nicht nur für Kinder und Ju- gendliche sondern auch für Eltern und Lehrpersonen und für die Schulleitung. Die Schule wird zu- dem in der Schulentwicklung unterstützt.

Die SSA bietet den Schulen die Möglichkeit zu agieren und nicht nur zu reagieren und stärkt das gesamte System Schule vor Ort.

Im Zusammenhang mit einer flächendeckenden Einführung der SSA ist auch die Finanzierung zu beachten. Aktuell haben vor allem Gemeinden mit einem grossen Handlungsbedarf eine eigene und durch die Gemeinden finanzierte SSA eingeführt oder sind vertraglich an eine SSA angeschlossen. Andere Gemeinden verzichten darauf und verlassen sich darauf, dass der kantonal finanzierte SPD ihre Bedürfnisse abdeckt. Auch stellt sich die Frage, ob die SSA nicht in die Schulgeldberechnung einbezogen werden müsste.

Die Motionärinnen und Motionäre sind der Meinung, dass eine Schulsozialarbeit für eine gute Schule unerlässlich ist und deren Einführung deshalb flächendeckend auf das ganze Kantonsgebiet ausgeweitet werden soll.