Interpellation der SP-Fraktion (Sprecher Alain Burger, Wettingen) vom 21. Juni 2022 betreffend Digitalisierung der Aargauer Schulen

Text und Begründung:

Die Digitalisierung ist im Bildungswesen Chance und Herausforderung zugleich. Um den Herausfor- derungen zu begegnen und die Chancen zu nutzen, haben Bund, Kanton und Gemeinden auf allen Bildungsstufen in den letzten Jahren vielfältige Strategien und Programme ausgerollt, und umfang- reich in Infrastruktur, Applikationen sowie Aus- und Weiterbildungen investiert. Die Covid-Krise hat diese Entwicklungen zusätzlich beschleunigt. Sie hat zudem verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Menschen zu einer kompetenten Teilhabe an digitalisierten politischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Prozessen zu befähigen.

Auch der Kanton Aargau hat sich zum Ziel gesetzt, die Chancen der Digitalisierung und der neuen Werkzeuge für das Lernen und Arbeiten zu nutzen. Auf der Sekundarstufe II soll dem digitalen Wan- del mit der flächendeckenden Einführung des Prinzips „Bring Your Own Device“ an allen Berufsfach- schulen und Mittelschulen begegnet werden.

An der Volksschule erfordern der Aargauer Lehrplan Volksschule mit dem Modul „Medien und Informatik“, der häufigere Einsatz von digitalen Medien als didaktisches Mittel für die Gestaltung eines zeitgemässen, differenzierenden Unterrichts und neue Lern- und Testsysteme sowie elektronische Lehrmittel ebenfalls mehr und mehr eine technologische Grundausstattung an den Schulen. Im Kan- ton Aargau sind gemäss § 53 des Schulgesetzes1 die Gemeinden für die Beschaffung der Schulein- richtungen verantwortlich. Dazu gehören auch die technische Ausstattung und die damit verbunde- nen Supportleistungen innerhalb der Schule. Das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) gibt hierfür Empfehlungen und Informationen zur Umsetzung, Infrastruktur sowie zu Datensicherheit und Datenschutz ab.

Einer Umfrage zum Stand der Digitalisierung an Aargauer Volksschulen2 vom Herbst 2021 zu Folge bestehen bezüglich der Ausrüstung der Schülerinnen und Schüler mit digitalen Geräten erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Schulgemeinden. Während einige bereits sämtliche Lernende mit Geräten ausstatten, machen andere wenig bis nichts. Dies führt zu verschiedenen Qualitätsstandards innerhalb der Volksschule, konfrontiert die abnehmenden Schulen der Sekundarstufe II mit einer grossen Heterogenität betreffend Vorwissen und gefährdet letztendlich die Chancengerechtigkeit.

Um den zielgerichteten Einsatz der digitalen Hilfsmittel im Unterricht gewährleisten zu können, braucht es Lehrpersonen, die sowohl über technische als auch didaktische Kenntnisse in diesem Be- reich verfügen und genügend digitale Geräte für Schülerinnen und Schüler, die stets verfügbar sind. Die Interpellantinnen und Interpellanten sind überzeugt, dass es eine kantonale Strategie mit ver- bindlichen Vorgaben im Bereich ICT/Digitalisierung an den Aargauer Schulen braucht, wie sie vom Grossen Rat gefordert wurde, um die Chancen der Digitalisierung in der Bildung zu nutzen und Bil- dungsbenachteiligungen zu reduzieren.

Der Regierungsrat wird eingeladen folgende Fragen zu beantworten:

  1. Wie viel Prozent der Aargauer Schülerinnen und Schüler an der Volksschule, aufgeschlüsselt nach Stufen (Primar-, Real-, Sekundar- und Bezirksschule) und nach Bezirken, erhalten von der Schule ein eigenes digitales Endgerät für den Unterricht?
  2. Wie stellt der Kanton sicher, dass alle Schülerinnen und Schüler an der Volksschule unter glei- chen Rahmenbedingungen Zugang zu einem digitalen Endgerät erhalten?
  3. Wie wird die Empfehlung betreffend persönliche Geräte der Lehrpersonen – ihnen soll in der Regel ein mobiles, persönliches Arbeitsgerät zur Verfügung stehen – an der Volksschule umgesetzt?
  4. Wie viele Aargauer Schulen verfügen über ein Medien- und Informatikkonzept? Wie beurteilt der Regierungsrat die Qualität dieser Medien- und Informatikkonzepte unter Berücksichtigung technisch-organisatorischer und pädagogischer Aspekte?
  5. Wie viele Aargauer Schulen verfügen über genügend ausgebildete PICTS-Lehrpersonen im Sinne der kantonalen Empfehlungen?
  6. Welche Hilfe bietet der Kanton für Schulen an, die entweder aufgrund fehlender Fachkompetenzen oder fehlender finanzieller Ressourcen keine adäquate Infrastruktur aufbauen und/oder betreiben können? Wie viele solcher Anfragen hat der Kanton bereits erhalten und beantwortet?
  7. Wie hoch sind die ungefähren Gesamtkosten für die Gemeinden bei der Umsetzung eines einfachen, mittleren und hohen Ausbaustandards gemäss Handreichung „Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) an der Volksschule“ in den nächsten fünf Jahren? Wie setzten sich diese Kosten im Detail (Infrastruktur, Hardware, Software und Personal) zusammen?
  8. Wie funktionieren die Steuerung und Qualitätssicherung im Bereich Digitalisierung der Aargauer Schulen auf Ebene Kanton?
  9. Ist der Regierungsrat bereit, ein Monitoring betreffend Digitalisierung an Aargauer Schulen auf- zubauen, damit Informationslücken geschlossen werden können und um die kantonale Strategie weiterzuentwickeln?