Postulat Alain Burger, SP, Wettingen (Sprecher), Colette Basler, SP, Zeihen, Lukas Huber, GLP, Berikon, Therese Dietiker, EVP, Aarau, Alfons Paul Kaufmann, Mitte, Wallbach, Suzanne Marclay-Merz, FDP, Aarau, Yannick Berner, FDP, Aarau, Ruth Müri, Grüne, Baden, und Simona Brizzi, SP, Ennetbaden, vom 21. Juni 2022 betreffend politische Bildung auf der Sekundarstufe II stärken

Text:

Der Regierungsrat wird gebeten zu prüfen, wie die politische Bildung an Berufsfachschulen und Mit- telschulen im Kanton Aargau gestärkt werden kann. Dabei sollen auch Angebote von Organisationen geprüft werden, welche Schulen und Lehrpersonen darin unterstützen, Veranstaltungen und Projekte in der politischen Bildung durchzuführen.

Begründung:

Politische Bildung soll das Interesse für Politik wecken und demokratische Werte vermitteln. Das Ziel der politischen Bildung ist es, die Lernenden bzw. die Mittelschülerinnen und -schüler auf ihrem Weg zu handlungsfähigen politischen Subjekten zu begleiten. Sie sollen sich in ihrer sozialen, politischen und ökonomischen Welt orientieren können, kritik- und urteilsfähig werden und die eigenen politi- schen Handlungsspielräume ausloten lernen. Ausgehend von einem breiten Politikverständnis sollen Lernende bzw. Mittelschülerinnen und -schüler sich einerseits in die bestehende (politische) Ordnung integrieren können. Andererseits zielt politische Bildung ebenfalls darauf, sie zu befähigen, selbst- ständig zu denken, kritische Distanz einzunehmen und gegebenenfalls den kreativen Neubeginn zu wagen. In diesem Sinne geht es bei der politischen Bildung sowohl um Integration wie auch um Emanzipation.

Gemäss einer Umfrage der gfs.bern im Auftrag von easyvote finden 73 Prozent der Schülerinnen und Schüler zwischen 15 und 25 Jahren, dass der politischen Bildung eine eher grosse oder sehr grosse Wichtigkeit im Unterricht zugeschrieben werden soll. Gleichzeitig waren 50 Prozent der Mei- nung, dass sie im Rahmen ihrer politischen Bildung eher wenig oder gar nichts gelernt haben.

Der Kanton Aargau kennt als einziger Deutschschweizer Kanton ein eigenes Schulfach zur politi- schen Bildung auf der Sekundarstufe I. Bei der Verortung der politischen Bildung auf der Sekundar- stufe II ist grundsätzlich zwischen der beruflichen Grundbildung und der allgemeinbildenden Schule zu unterscheiden. In der beruflichen Grundbildung wird politische Bildung als Teil des allgemeinbil- denden Unterrichts (ABU) gelehrt. An Berufsmittelschulen ist die politische Bildung ähnlich wie an Gymnasien und Fachmittelschulen primär im Fach Geschichte (oder Geschichte und Politik) einge- bettet.

Die Postulantinnen und Postulanten begrüssen, dass mit dem Projekt „Kanti 22 – Weiterentwicklun- gen an den Aargauer Mittelschulen bis 2022“ die politische Bildung mehr Gewicht und Verbindlichkeit bekommen soll. Mit dem Vorstoss wird der Regierungsrat gebeten, weitere Möglichkeiten zu prüfen, wie die politische Bildung der Jugendlichen im Kanton neben dem klassischen Unterricht gestärkt werden kann, z. B. in dem an allen Kantons- und Berufsfachschulen im Aargau regelmässig Veran- staltungen zu aktuellen politischen Themen und Abstimmungsvorlagen stattfinden.