Der Mensch muss im Zentrum stehen!

Die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems steht schon lange an. Der Bericht zur gesundheitspolitischen Gesamtplanung nimmt die strategisch wichtigen Themen auf. Einige Ziele und Strategien müssen aber unbedingt überdacht werden. Die Grundversorgung sicherstellen, die Finanzierung den sozialen Realitäten anpassen 


Die SP Aargau begrüsst eine gesundheitspolitische Gesamtplanung, welche eine vernetzte Grundversorgung sicherstellen möchte. Der Fokus auf möglichst geringe kantonale Ausgaben greift bei diesem komplexen Thema aber zu kurz. Im Zentrum muss eine möglichst schlanke, bedarfsgerechte Grundversorgung stehen. Die Finanzierung muss vermehrt sozial abgefedert werden: dass ein überwiegender Teil durch die Privathaushalte direkt oder nach dem umgekehrten Giesskannenprinzip über die Krankenkassen abgerechnet wird, ist stossend. Dies führt dazu, dass bereits jetzt Haushalte mit mittleren und tiefen Einkommen durch die Ausgaben für das Gesundheitssystem existenziell bedroht sind. Die Gemeinden werden durch die Schaffung von Versorgungsregionen mit neuen administrativen und finanziellen Verpflichtungen belastet. Es bleibt bis zuletzt völlig unklar, wie ein so komplexes Konstrukt wie eine horizontal und vertikal vernetzte Versorgungsregion von 200 Gemeinden gestaltet werden soll. Es ist mittlerweile schon fast ein Konsens, dass die unterschiedliche Finanzierung von ambulant und stationär Fehlanreize setzt, welche das System verteuern. Der Kanton wurde wiederholt beauftragt, diesen Fehlanreiz zu beseitigen und die Finanzierung aus einer Hand voranzutreiben. Im vorliegenden Strategiepapier wird die bisherige Regelung aber stattdessen zementiert. Dies ist nicht nachvollziehbar.


Bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung und ‚smarter medicine‘ sollte gefördert werden 


Der Kanton legt die Preise für stationäre Behandlungen und somit die Rentabilität der stationären Grundversorgungsleistungen fest. Diesen Bereich will er nun privatisieren. Privatwirtschaftlich organisierte Institutionen werden ihr Portfolio nach der Rentabilität ausrichten. Wenn der Kanton hier das Mitspracherecht abgibt, kann er die Grundversorgung nicht mehr sicherstellen, für welche er aber gesetzlich verpflichtet ist. Ausserdem würde die Privatisierung durch den vermehrten Fokus auf Rentabilität zur Überversorgung bei den ertragsbringenden Leistungen führen, auf der anderen Seite zu einer Unterversorgung bei den nicht gedeckten Leistungen. Sowohl eine Über- als auch eine Unterversorgung sind teurer als ein bedarfsgerechtes, schlankes Gesundheitssystem. Der Fokus sollte auf die ‚smarter medicine’ gelegt werden.


Rasche und unkomplizierte Umsetzung der Pflegeinitiative  

Der Kanton hat es in der Hand, seine Institutionen für die von ihm bestellten Leistungen so zu entschädigen, dass dabei eine genügend hohe EBITDA-Marge erbracht wird. Diese wiederum ermöglicht den Betrieben die dringend nötigen personalpolitischen Reformen, um die Spitäler zu einem attraktiven Arbeitgeber zu machen. Es braucht Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine zuverlässige Planung, genug Personal und eine der Verantwortung angepasste Entschädigung. Auch mit einer guten Karriereplanung können Fachkräfte im System gehalten werden. Hier muss der Kanton den Betrieben Investitionen ermöglichen. Aktuell sieht er jedoch eine weitere Effizienzsteigerung vor, was nach diversen Sparrunden und im Lichte des schwerwiegenden Brain drops in diesem Sektor nicht vertretbar ist.


Der Mensch muss im Zentrum stehen! 


„Der Kanton Aargau braucht dringend eine neue gesundheitspolitische Gesamtplanung. Der strategische Fokus muss auf einem Gesundheitssystem liegen, welches schlank, effizient, vernetzt und qualitativ hochstehende Grundversorgung für die Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons sichert.“ sagt Lucia Engeli, Co-Präsidentin Fachausschuss Gesundheit und Soziales der SP Aargau. „Hierfür müssen Lücken geschlossen, bestehende Systeme überdacht und Fehlanreize eliminiert werden. Für all diese Massnahmen braucht es Investitionen – Investitionen in eine bessere Zukunft.“ erläutert sie weiter. Der Kanton sagt aber bei allen Zielen, dass sie ihn nichts kosten werden. Damit wird er sie nicht erreichen. Die SP wird sich dafür einsetzen, dass die dringend notwendige Erneuerung des Gesundheitssystems hin zu einer schlanken, qualitativ hochstehenden Grundversorgung vollzogen wird. Hierfür müssen einige Strategieziele des Kantons überdacht werden.

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