Die SP Aargau unterstützt grundsätzlich die Ansiedlung eines industriellen Campus von Hitachi im Gebiet Tägerhardächer. Das Projekt bietet die Möglichkeit, rund 1’000 bestehende Arbeitsplätze im Kanton zu sichern und mittelfristig bis zu 2’000 zusätzliche hochwertige Stellen zu schaffen. Aus industrie- und wirtschaftspolitischer Sicht ist es sinnvoll, Unternehmen mit hoher Wertschöpfung und Forschungstätigkeit im Kanton zu halten und zu stärken. «Die Ansiedlung eines internationalen Industrieunternehmens stellt eine Chance für den Werkplatz Aargau dar.», betont auch SP-Grossrat Arsène Perroud.
Gleichzeitig ist für die SP klar, dass dieses Vorhaben einen erheblichen Eingriff in Landschaft, Landwirtschaft und Raumplanung darstellt. Die Richtplananpassung umfasst rund 10,7 Hektaren neues Siedlungsgebiet, beansprucht Fruchtfolgeflächen und reduziert den bestehenden Siedlungstrenngürtel. Darin sieht die SP Aargau den Zielkonflikt zwischen Standortförderung und nachhaltiger Raumplanung.
«Wir wollen hochwertige Arbeitsplätze im Aargau halten – aber wir wollen sie nicht um den Preis einer leichtfertigen Landschafts- und Bodenpolitik», sagt SP-Grossrätin und Co-Präsidentin Lucia Engeli. «Beides ist wichtig, und genau deshalb braucht es klare Bedingungen.»
- Landschaft, Landwirtschaft und ökologische Kompensation
Für die SP Aargau ist zentral, dass der Verlust wertvoller Fruchtfolgeflächen kompensiert wird. Die Landschaftsspange Sulperg–Rüsler muss langfristig erhalten und ökologisch gestärkt werden. Ohne verbindliche ökologische Ausgleichsmassnahmen ist das Projekt für die SP nicht tragbar. «Der Kanton muss zeigen, dass wirtschaftliche Entwicklung und nachhaltige Raumplanung zusammengehen», sagt SP-Grossrätin Gabi Lauper.
- Verkehr und Erschliessung
Ein Campus dieser Grössenordnung ist nur verantwortbar, wenn die Mobilität nachhaltig organisiert wird. Dazu gehören die rasche Planung und Realisierung der S-Bahn-Haltestelle Tägerhard sowie eine deutliche Stärkung des öffentlichen Verkehrs und des Fuss- und Veloverkehrs. Ohne diese Massnahmen drohen zusätzliche Verkehrsbelastungen für Wettingen und die Region.
- Siedlungsentwicklung und Bodenverbrauch
Die SP Aargau lehnt eine generelle Ausweitung der Bauzonen im Gebiet Wettingen Ost ab. Nach der Realisierung des Campus muss die weitere Entwicklung konsequent auf Innenentwicklung ausgerichtet bleiben. Der Campus darf kein Türöffner für eine grossflächige Zersiedelung werden. «Ein Ja zu Arbeitsplätzen darf kein Ja zum ungebremsten Flächenverbrauch sein.», betont SP-Grossrat Martin Brügger.
- Langfristige Standortverbindlichkeit und regionale Wertschöpfung
Wenn die öffentliche Hand mit einer Richtplananpassung erhebliche planerische Voraussetzungen schafft, erwartet die SP eine langfristige Standortverpflichtung des Unternehmens. Ebenso wichtig ist eine enge Einbindung in die regionale Wirtschaft, Forschung und Ausbildung.
«Wenn der Kanton und die Gemeinden derart weitreichende planerische Schritte ermöglichen, muss auch das Unternehmen Verantwortung übernehmen – langfristig und verbindlich», betont SP-Grossrätin Lea Schmidmeister. «Wir wollen Wertschöpfung im Aargau, aber wir wollen sie nachhaltig.»
Schlussbemerkung
Die SP Aargau anerkennt, dass die Ansiedlung eines internationalen Industrieunternehmens eine Chance für den Werkplatz Aargau darstellt. Gleichzeitig muss die Standortförderung zwingend mit den Grundsätzen einer nachhaltigen Raumplanung vereinbar bleiben: haushälterischer Umgang mit Boden, Schutz wertvoller Landschafts- und Landwirtschaftsflächen sowie eine konsequente Förderung nachhaltiger Mobilität.
Die SP erwartet, dass die genannten Bedingungen in den weiteren Planungs- und Bewilligungsverfahren verbindlich berücksichtigt werden. Dieses Projekt darf kein Präjudiz für leichtfertige Richtplananpassungen schaffen. SP-Co-Präsidentin Lucia Engeli betont: «Nur wenn wirtschaftliche Chancen und ökologische Verantwortung gleichermassen ernst genommen werden, kann der Campus Tägerhardächer zu einem echten Zukunftsprojekt für den Aargau werden.»



