Spital Menziken schliesst:  Der Markt sichert die Versorgung nicht

Die angekündigte Schliessung des Akutspitals Menziken ist ein schwerer Einschnitt für die Bevölkerung der Region Wynen- und Seetal und insbesondere auch für die betroffenen Mitarbeitenden. Das akutstationäre Angebot und der Operationsbetrieb werden eingestellt. 149 der 303 Mitarbeitenden sollen ihre Stelle verlieren, darunter auch 20 Lernende und Studierende. Der Rettungsdienst, die Hausarztpraxis, das Ambulatorium und eine ambulante Notfallversorgung im Tagesbetrieb sollen durch die LUKS Gruppe weitergeführt werden; die Langzeitpflege und weitere Angebote übernimmt die Falkenstein Asana AG. Der Standort Leuggern bleibt unverändert bestehen.

Die Schliessung ist nicht einfach ein bedauerlicher Einzelfall. Sie zeigt die Folgen einer Spitalpolitik, die regionale Versorgungsstrukturen vor allem nach Auslastung und Rentabilität beurteilt. Kleine Spitäler tragen hohe Vorhaltekosten: Sie müssen Personal, Infrastruktur und Notfallbereitschaft finanzieren, auch wenn nicht jedes Bett und jeder Operationssaal rund um die Uhr ausgelastet ist. In einer reinen Marktlogik rentieren solche Standorte nicht und werden früher oder später aussortiert.

«Der Markt fragt nicht, welche Versorgung eine Region braucht. Er fragt, welche Leistungen und welche Abteilungen rentieren, und welche nicht», sagt Barbara Stocker, Grossrätin. «Wenn wir die Spitalversorgung dieser Logik überlassen, verschwinden zuerst jene Angebote, die für die Bevölkerung wichtig, aber wirtschaftlich nicht attraktiv sind.»

 

Die Peripherie braucht eine abgestufte Versorgung

Nicht jedes Regionalspital muss jede hochspezialisierte Behandlung anbieten. Eine gute Versorgung in der Peripherie bedeutet aber mehr als einen Rettungswagen in Richtung Zentrumsspital. Sie braucht wohnortsnahe Hausarztmedizin, Diagnostik, ambulante Notfallversorgung, Therapieangebote, Tageskliniken, Langzeitpflege und klar geregelte Zugänge zur stationären Behandlung.

Wenn Patientinnen und Patienten mit jedem gesundheitlichen Problem direkt ein Zentrumsspital aufsuchen müssen, wird die Versorgung weder günstiger noch patient:innenzentrierter. Die grossen Notfallstationen werden zusätzlich belastet, Wege werden länger und Behandlungen unnötig aufwendig. Eine vorausschauende Gesundheitspolitik muss deshalb entscheiden, welche Leistungen dezentral angeboten werden und wie sie verbindlich mit den Zentrumsspitälern vernetzt sind.

 

 

 

Leistungsabbau aufgrund von Rentabilität ist nicht akzeptabel

Die SP Aargau akzeptiert die Schliessung nicht als alternativlose Variante. Sie wird mit geeigneten politischen Partner:innen parlamentarische und politische Wege prüfen, um in Menziken ein bedarfsgerecht dimensioniertes, vernetztes akutstationäres Angebot zu erhalten. Eine Hausarztpraxis, ein Rettungsdienst und eine ambulante Notfallversorgung im Tagesbetrieb sind wichtig, sie ersetzen aber kein Akutspital mit einer Versorgung rund um die Uhr. Bevor Behandlungsplätze, Fachwissen, Ausbildungsplätze und Arbeitsstellen unwiderruflich abgebaut werden, muss der Kanton transparent aufzeigen, welche Versorgung die Region Wynen- und Seetal benötigt und welche Alternativen zu einer vollständigen Schliessung ernsthaft geprüft wurden.

«Für die Bevölkerung im Wynen- und Seetal ist eine wohnortsnahe Akutversorgung kein Luxus», sagt Lucia Lanz, Grossrätin aus dem Bezirk Kulm. «Ich verlange nicht, dass jede bestehende Struktur um jeden Preis erhalten bleibt. Aber eine Schliessung allein aufgrund fehlender Rentabilität ist nicht akzeptabel. Eine Walk-in-Praxis am Tag ersetzt keine verlässliche Versorgung in der Nacht und am Wochenende. Bevor hier unwiderruflich abgebaut wird, müssen ein kleineres, vernetztes Akutspitalmodell und alle Möglichkeiten für den Erhalt der Arbeits- und Ausbildungsplätze seriös geprüft werden.»

 

Mitarbeitende dürfen nicht die Rechnung bezahlen

Besonders hart trifft die Schliessung die Mitarbeitenden, die den Betrieb oft während Jahren unter schwierigen Bedingungen aufrechterhalten haben. Ein Sozialplan allein genügt nicht. Die SP Aargau erwartet, dass für alle Betroffenen ernsthaft nach Anschlusslösungen gesucht wird, Übernahmen zu fairen Arbeitsbedingungen erfolgen und die Personalverbände einbezogen werden. Für Lernende und Studierende muss die zugesicherte nahtlose Fortsetzung ihrer Ausbildung tatsächlich garantiert sein.

Die Beschäftigten dürfen nicht zum Kollateralschaden einer verfehlten Struktur- und Finanzierungspolitik werden. Wer über Versorgung spricht, muss auch über genügend Personal, verlässliche Arbeitsbedingungen und den Erhalt von Fachwissen in der Region sprechen, besonders in diesem ausgetrockneten Arbeitnehmermarkt.

 

Vernetzung statt künstliche Konkurrenz

Dass nun die LUKS Gruppe wichtige Angebote in Menziken übernimmt, zeigt zugleich die Stärken eines integrierten Spitalnetzwerks. Rettungsdienst, Hausarztpraxis, ambulante Versorgung, spezialisierte Medizin und stationäre Behandlung können innerhalb einer gemeinsamen Struktur koordiniert werden. Die LUKS Gruppe beschreibt ihr Modell selbst als koordiniert und digital vernetzt und stellt für die Region den Zugang zu ihrem gesamten akutstationären Angebot in Aussicht.

Genau diese Koordination fehlt im Aargau. Die Kantonsspitäler Aarau (KSA) und Baden (KSB) werden weiterhin als Konkurrenten geführt. Sie werben um Patientinnen und Patienten, bauen teilweise teure parallele Strukturen auf und müssen sich im Pseudo-Wettbewerb irgendwie behaupten. Diese Konkurrenz bindet Geld und Fachpersonal, ohne automatisch eine bessere Versorgung zu schaffen.

«Die Lösung ist nicht, noch mehr Spitäler dem Markt zu überlassen», sagt Lucia Engeli, Co-Präsidentin der SP Aargau. «Der Aargau braucht eine starke, gemeinsam geführte kantonale Spitalstruktur, die den Bedarf der Regionen erhebt und die Leistungen entsprechend plant. Kooperation, durchgängige Behandlungsketten und eine gemeinsame Aus- und Weiterbildung sind sinnvoller als ein teures Wettrüsten zwischen den Spitälern.»

Eine gemeinsam geplante Spitalgruppe könnte Assistenzärztinnen und Assistenzärzten sowie weiteren Gesundheitsfachpersonen vollständige Aus- und Weiterbildungspfade an verschiedenen Standorten anbieten. Personal, Wissen, Daten und Infrastruktur könnten nach Bedarf eingesetzt werden. Im Gesundheitswesen ist eine starke gemeinsame Planung deshalb kein Nachteil. Sie kann Versorgungslücken vermeiden und unnötige Doppelstrukturen abbauen.

 

Keine falsche Antwort auf die Schliessung

Ausgerechnet in dieser von Spitalschliessungen geprägten Zeit will der Regierungsrat nun auch noch per Gesetzesanpassung die Grundlage schaffen, um die kantonalen Beteiligungen am KSA, KSB und an den Psychiatrischen Diensten Aargau teilweise oder vollständig verkaufen zu können. Das macht Angst und lässt die Frage aufkommen: quo vadis Gesundheitsversorgung Aargau?

Die Schliessung zeigt, dass der Kanton mehr Möglichkeiten zur Planung und Koordination braucht, nicht weniger. Wer die Aktien der Kantonsspitäler verkauft, gibt die letzte demokratische Kontrolle und Steuerungsmöglichkeiten aus der Hand. Der Versorgungsauftrag bleibt jedoch bestehen: wenn die Versorgung gefährdet ist, muss die öffentliche Hand am Ende trotzdem einspringen.

 

Der Fall Menziken zeigt, weshalb Versorgungspolitik nicht dem Markt überlassen werden darf. Die SP Aargau wehrt sich deshalb gemeinsam mit Verbänden und Gewerkschaften gegen den kranken Wettbewerb im Gesundheitswesen und eine weitere Privatisierung der Spitalversorgung. Unterschreiben Sie die laufende Petition «Kein Profit mit unserer Gesundheit».

Ansprechpartner:innen zu diesem Thema

Lucia Engeli

Lucia Engeli

Co-Präsidentin und Grossrätin

Lucia Lanz

Lucia Lanz

Grossrätin Kulm

Barbara Stocker Kalberer

Barbara Stocker Kalberer

Grossrätin Zofingen

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