Von Dieter Egli, Regierungsrat SP Aargau, Gabi Lauper, Grossrätin SP Aargau
Worum geht es bei dieser Vernehmlassung?
Dieter: «Wir sprechen hier über eine langfristige Standortentscheidung. Der Aargau steht im Wettbewerb um attraktive Industriearbeitsplätze. Mit dem Campus können wir bestehende Kapazitäten bündeln und ausbauen. Gleichzeitig bietet sich die Chance, die Raumentwicklung im Ostaargau geordnet zu gestalten – inklusive besserer ÖV-Anbindung und moderner Infrastruktur. Das ist letztlich nachhaltiger.»
Gabi: «Für mich geht es um eine Grundsatzfrage der Raumplanung: Halten wir uns an unsere eigenen Regeln, oder eben nicht? Statt bestehende, unbebaute Arbeitszonen zu nutzen, soll dank Einzonung von 10.7 ha wieder auf der grünen Wiese gebaut werden können. Der Siedlungstrenngürtel und die Landschaftsspange als grüne Achse im Agglomerationsgebiet wurden vor Jahren gemeinsam festgelegt. Wenn wir sie jetzt für ein einzelnes Projekt reduzieren, verlieren diese Instrumente kantonal ihre Glaubwürdigkeit.»
Was spricht für bzw. gegen die Richtplanänderung?
Dieter: «Die Ausgangslage ist klar: Es gibt in der Region keine geeigneten Flächen in dieser Grössenordnung. Wenn wir das Projekt ermöglichen, sichern wir nicht nur bestehende Arbeitsplätze, sondern schaffen neue in einem zukunftsrelevanten Bereich, der gerade auch für die Energiewende bzw. den Umgang mit dem Klimawandel wichtig ist. Zudem können wir im Verfahren verbindliche Anforderungen an Mobilität, Energie und ökologische Ausgleichsmassnahmen stellen.»
Gabi: «Was mich stört, ist die Präjudizwirkung. Wir reduzieren bestes Landwirtschaftsland, greifen in einen Siedlungstrenngürtel ein und stellen einen regional erarbeiteten Landschaftsplan infrage. Das ist nicht irgendeine Fläche, sondern Teil einer langfristigen Entwicklungsvision. Und gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen: Beim Verkehr ist ungewiss, wann die S-Bahn-Haltestelle Tägerhard und die Limmattalbahn realisiert werden – voraussichtlich kaum bis zur Inbetriebnahme des Campus 2030 bzw. 2035. Die Verlagerung bestehender Arbeitsplätze bedeutet, dass diese anderswo verloren gehen. Die dortigen Arbeitnehmer:innen müssen somit wohl längere Arbeitswege in Kauf nehmen.»
Ist ein «Ja mit Vorbehalt» der richtige Weg?
Dieter: «Ich halte diesen Weg für richtig. Wir stehen vor grossen Transformationen – wirtschaftlich wie ökologisch. Diese lassen sich nur gestalten, wenn man Chancen nutzt und gleichzeitig klare Bedingungen setzt. Ein kategorisches Nein hilft niemandem weiter. Wir müssen immer im Einzelfall verschiedene Interessen gegeneinander abwägen.»
Gabi: «Ich verstehe den Ansatz, aber er ist riskant. Ein «Ja mit Vorbehalt» funktioniert nur, wenn die Bedingungen wirklich durchgesetzt werden – und genau da habe ich meine Zweifel. Wenn wir zentrale Prinzipien wie den Erhalt von Kulturland und Grünräumen relativieren, setzen wir ein Signal, das weit über dieses Projekt hinausgeht. Dann wird aus dem Einzelfall schnell die Regel.»